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Fat Rhino (D) Escape From a Smoldering Planet

Solangsam schwant es dem geneigten Rezensenten, dass wir die Stoner / Doom los wochos bei Metalglory haben, denn „Escape

Fat Rhino (D) Escape From a Smoldering Planet

Solangsam schwant es dem geneigten Rezensenten, dass wir die Stoner / Doom los wochos bei Metalglory haben, denn „Escape From A Smoldering Planet“ von Fat Rhino serviert genau jene Sorte schwerer Kost, die nach Staub, heißem Röhrenamp und einer gesunden Portion Endzeit riecht. Das Quartett aus Löningen, hervorgegangen aus den Resten von El Camino, setzt auf seinem Debüt auf mächtige Riffs, grungige Melancholie, zähen Doom-Zug und einen angenehm ungekünstelten 90er-Vibe, ohne dabei bloß die ewige Kyuss-und-Sabbath-Gedächtnisfeier abzuziehen. Vor allem die Produktion aus der Tonmeisterei Oldenburg sitzt: organisch, druckvoll, nie überpoliert, mit genau der richtigen Portion Rost auf den Saiten. Dazu kommt mit Jan B. ein Sänger, dessen tiefe, markante Stimme den düsteren Grundton perfekt trägt und sich zwischen Crooning, kernigem Belting und angefressenen Shouts so selbstverständlich bewegt, als wären diese Songs exakt um dieses Timbre herum gebaut worden.

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Hört hier „Escape From A Smoldering Planet“ von Fat Rhino kostenlos an

Schwergewicht mit 90er-Funken

Was „Escape From A Smoldering Planet“ von vielen Genreplatten abhebt, ist das Gespür für Arrangement und Spannungsführung. Fat Rhino können walzen, klar, aber sie können eben auch Luft in die Songs lassen, Melodien aufblitzen lassen und aus simplen Motiven überraschend viel Dynamik ziehen. Dennis legt mit seinem knurrenden Bass ein sattes Fundament, André trommelt mit Wucht und Drive, ohne alles stumpf zuzuballern, und Jan D. schichtet darüber Gitarren, die mal als Fuzz-Mauer drücken, mal als epische Linie nach vorne leuchten. Das Sounddesign lebt genau davon: Wärme im Unterbau, Biss in den Mitten, genug Raum für Atmosphäre. Gerade die längeren Stücke profitieren davon, weil hier nicht bloß gestreckt wird, sondern aufgebaut. Ja, die Platte nimmt sich mit gut 65 Minuten einiges an Zeit, aber sie kippt nie komplett in Selbstverliebtheit, weil immer wieder ein Groove, eine Wendung oder eine Gesangslinie kommt, die den nächsten Haken schlägt.

Druck, Dreck und Dramaturgie

Am stärksten ist das Album dann, wenn Fat Rhino ihre Liebe zu Doom, Stoner, Psychedelic und Grunge nicht nebeneinanderstellen, sondern ineinander verkeilen. Die schweren Parts haben Gewicht, aber nie bloß Masse; die melodischen Momente wirken nicht geschniegelt, sondern wie Lichtstrahlen durch eine staubige Hallendecke. Genau da packt auch Jan B.: Seine tiefe Stimme sitzt nicht einfach auf dem Sound, sie ist in diesen düsteren, druckvollen Mix regelrecht eingebettet und verleiht den Songs eine zusätzliche Gravitas. Besonders angenehm: Die Band meidet das sterile Präzisionsdenken vieler moderner Produktionen und setzt stattdessen auf organische Energie. Dadurch knallt ein Stück wie „Treadmill“ direkter, während Brocken wie „Water“ oder „Commander“ eher über Sog und Atmosphäre funktionieren. Dass andere Kritiken dem Album eine gewisse Überlänge attestieren, ist nicht aus der Luft gegriffen, aber hier wiegt der handwerkliche Ertrag schwerer als ein paar Minuten zu viel auf der Uhr.

Elf Kapitel, elf Bilder

„Nashörn“ eröffnet die Platte wie ein panischer Ritt durch einen Mahlstrom, in dem Kontrollverlust und rohe Naturgewalt sofort den Ton setzen. „Fables“ kippt danach in eine frostige Erinnerungskammer, in der verletzte Intimität und verdrängter Schmerz zwischen Bergkulisse und Feuerschein nachhallen. „Battles“ zerlegt eine toxische Beziehung als zermürbenden Abnutzungskrieg, bei dem Schweigen und Schuld am Ende alles schwarzblau schlagen. „Crows And Ravens“ wirkt wie eine melancholische Wanderung durch Grabhügel, Herbstlicht und Erinnerungen, in der Trost aus Vergangenheit und Natur gezogen wird. „Water“ schildert das langsame Hinabgezogenwerden in Scham, Reue und Erschöpfung, als würde das Element selbst jede Gegenwehr aus dem Körper spülen. „Treadmill“ macht aus Arbeits- und Lebensmühle ein brennendes Hamsterrad ohne Erlösung, in dem Hoffnung nur noch auf Verschleiß läuft.

„Revolve“ hebt dann ins Kosmische ab und entwirft ein ziemlich finsteres Bild von Schöpfung, Zerstörung und dem Menschen als Spielball größerer Mächte. „Red Sabbath“ taucht in eine tranceartige Selbstauflösung ein, irgendwo zwischen Rauch, Schmerzstillung und spirituellem Kontrollverlust. „Rider“ reitet als apokalyptischer Vernichter über verbrannte Landschaften und siedendes Wasser hinweg und macht Endzeit plötzlich sehr körperlich. „Apocalypse“ sagt die Katastrophe nicht voraus, sondern protokolliert sie im Rückblick als Ergebnis bequemer Verdrängung. „Commander“ schließt das Album schließlich mit schwereloser Entfremdung und kosmischer Ziellosigkeit ab, fast wie der Traum eines Bewusstseins, das längst den Kontakt zur Erde verloren hat. Gerade diese textliche Bandbreite passt bestens zur Musik: viel Staub, viel Dunkel, aber eben auch Kopfkino. Und genau deshalb funktioniert das Debüt nicht nur als Riffsammlung, sondern als erstaunlich geschlossenes Album.

Unser Fazit:

Fat Rhino liefern mit „Escape From A Smoldering Planet“ ein Debüt ab, das trotz seiner Schwere erstaunlich lebendig und abwechslungsreich bleibt. Die Band verbindet wuchtige Riffs, starke Atmosphäre und durchdachtes Songwriting zu einem Album, das im Stoner- und Doom-Kosmos absolut bestehen kann. Wer auf organischen Druck, düstere Farben und eine markante Stimme steht, sollte hier definitiv ein Ohr riskieren.

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