ROGERS, MARATHONMANN, ENGST – 05.04.2019, Hamburg, Gruenspan

ROGERS, MARATHONMANN, ENGST – 05.04.2019, Hamburg, Gruenspan

📁 Allgemein, Live, Musik 🕔08.April 2019
ROGERS, MARATHONMANN, ENGST – 05.04.2019, Hamburg, Gruenspan

ROGERS, MARATHONMANN, ENGST – 05.04.2019, Hamburg, Gruenspan

Auf dem Weg an die Spitze

oder

Wie stürme ich die Reeperbahn

Und diese, die legendäre Reeperbahn, muss an diesem wunderbar warmen und sonnigen Freitag auf etwa 900 Besucher verzichten. Denn die haben heute etwas besseres vor, etwas sehr viel besseres. Das sympathische Gruenspan (sympathische Kolleginnen und Kollegen allerorten, und von hier aus ganz herzlichen Dank an die drei Herren von der Security am Bühnenrand, die mich gekonnt vor den Stagedivern bewahrt haben!) gibt sich alle Mühe, und trotz des „Ausverkauft“-Schildes gibt es genügend Raum für alle Fans und sind die Toiletten den ganzen Abend über erfreulich sauber.

Um 21.40 Uhr ist Showtime. Und es wird eine mehr als grandiose Show. Die vier Herren fackeln nach einem Intro, in dem die Halle schon gemeinsam in nicht enden wollende Ohoho-Chöre einstimmt, nicht lange und entern mit dem Titelsong des neuen Albums „Mittelfinger Für Immer“ die Bühne. Vom ersten Ton an herrscht gute Laune – und dies wird sich auch bis zum letzten Ton des abschließenden und thematisch passenden „Einen letzten Abend“ nicht ändern. Und das haben sich beide Seiten verdient – die vier ROGERS mit einer so energetischen wie schweißtreibenden Show, die Fans mit ihrem unablässigen Tanzen, Stagediven, Mitsingen, Bierbecher werfen (auch volle, was für eine sinnlose Verschwendung, die zudem meine Kamera lahmlegt), Grinsen, Spaßhaben, glücklich sein. Aber das sind die vier Herren oben auf der Bühne auch. Ihnen ist zu jeder Sekunde die Freude darüber anzusehen, an diesem Abend einmal wieder ihren ganz persönlichen Traum leben zu können, vier Freunde, gemeinsam auf der Bühne, eine gute Zeit, ihre Gedanken, ihre Seele als Musik den Menschen zu Füßen legen, die es hören wollen. Und das mögen mal 20 sein – oder mal 900 wie heute. Immer wieder gibt es ein ehrliches Danke und das offene Erstaunen darüber, wie viele hier sind, wegen ihnen, mit ihnen, für sich, für sie.

Der Sound ist großartig. Die Instrumente klingen klar und transparent, Schlagzeug und Bass wummern und pumpen druckvoll und knochentrocken, die Gitarren shreddern ganz gewaltig und sägen im harten „Zu Spät“ alles in den metallischen Grund und Boden. Und darüber singt Chri mit einer gut geölten Stimme, mit der er knackige Parts ebenso gekonnt aggressiv meistert („Zu Spät“, „Einen Scheiß Muss Ich“, „Augen auf“) wie er melancholische Geschichten mit wahrer emotionaler Tiefe in unsere Herzen singt („Wo Gehör Ich Hin“, „Wo Immer Du Gerade Bist“). Das berührt, das reißt mit, das ist ehrlich, authentisch, das ist Musik, das ist das Leben! Dazu gibt es in großen goldenen Lettern „R O G E R S“ auf der Bühne, und eine Lichtshow, bei der neben senkrechten Lichtstreifen immer wieder die Bühne entsprechend der Lieder abwechselnd in helles Leuchten oder dunkles Rot, Blau oder Violett getaucht wird.

Nach über 20 Hits wird gemeinsam Abschied gefeiert – und sich auf ein Widersehen gefreut. Denn das wird es geben, und bestimmt nicht mehr nur vor 900 Leuten. Die ROGERS leben ihren Traum, und dafür geben sie alles. Und das honorieren ihre Fans, die nach ihrem mitreißenden Album weiter anwachsen werden. Der Weg führt nicht nach oben, denn dort sind die vier Herren schon. Ich gehe jede Wette ein, dass es nicht mehr lange dauern wird, dann sind die ROGERS auf dem Gipfel. Und das freut mich sehr! Glückwunsch, meine Herren!

ENGST – Der Zug rollt unaufhaltsam weiter

Den Abend beginnen ENGST, und ich weiß und freue mich auf das, was mich erwartet. Ich habe die vier Herren schon am 22.02.2019 vor Betontod in Rostock erleben dürfen – aber das hier in Hamburg ist noch einmal eine ganz gewaltige Steigerung. Auch hier gibt es einen massiven und klaren Sound, und vor allem Herr Tehrani kann an seiner Gitarre wieder mit einem so filigranen wie harten Spiel begeistern. Die eingängigen Lieder werden zudem auch heute verdammt hart und ruppig vorgetragen, und das steht ihnen ausgezeichnet. So können „Ich steh wieder auf“, „Der König“ oder „Morgen geht die Welt unter“ eine regelrechte Sogwirkung entfalten, der sich auch das Publikum nicht entziehen kann und will. Bereits vom ersten Ton an gibt es lauten Jubel, Fangesänge und Stagediver – und das bei einer noch recht unbekannten Vorband. Das zaubert nicht nur ein Dauergrinsen auf die Gesichter der vier Herren, sondern spornt sie auch zu Höchstleistungen an. Beeindruckend ist das Zusammenspiel, und es ist zu merken, dass die Konzerte der letzten Wochen die Band nicht nur musikalisch, sondern offensichtlich auch menschlich noch weiter zusammengeschweißt haben. Und ich wiederhole mich: ENGST haben eine rosige Zukunft vor sich, wenn sie diese Qualität halten und weiter mit soviel Herzblut und Leidenschaft ihren Weg verfolgen. Ich jedenfalls habe daran keinerlei Zweifel. ENGST, wir sehen uns wieder! Im Herbst, auf der Headliner-Tour.

 

MARATHONMANN – Was passt, wird noch passender gemacht

Und auch die mir bis dato völlig unbekannten MARATHONMANN reihen sich ein die Riege der glücklichen Grinsegesichter. Ihre Musik ist so eingängig wie sie über Ecken und Kanten verfügt. Das ist spannend, einzigartig, mitreißend und intensiv. Da braten die Gitarren und formen aus Tönen berghoch aufgetürmte Riffmassive. Da treibt das Schlagzeug die Gitarren wuchtig vor sich her, da pumpt der Bass stoisch voran. Immer wieder biegen die Lieder in völlig unerwartete Richtungen ab, da wabert und flirrt es plötzlich, um sich im nächsten Moment in brutal groovenden Hardcore zu verwandeln. Bestimmt wird das alles von der Stimme des Herrn Lettner. Die ist verdammt aggressiv, rauh und whiskygetränkt und fräst sich tief in die Ohren und Schädel des Publikums. Mann, ist das eine selbstbewusste Vitalität. Mit Liedern wie „Die Stadt gehört den Besten“, „Holzschwert“ oder dem neuen „Schachmatt“ haben MARATHONMANN nicht nur großartige Musik, sondern auch nachdenkliche und intelligent fordernde Texte zu bieten. Auch hier ist das Publikum von Beginn an begeistert und honoriert das dichte und manische Spiel der Band. Auch ich bin begeistert wie alle. Und auch Euch rufe ich zu: Wir sehen uns wieder!

Hendrik

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