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Rockharz 2023

Mittwoch Wind und Wetter machten den RockHarz pilgerern zum Festivalauftakt ein wenig zu schaffen, sturmerprobten Festival Besuchern konnte das

Rockharz 2023

Mittwoch

Wind und Wetter machten den RockHarz pilgerern zum Festivalauftakt ein wenig zu schaffen, sturmerprobten Festival Besuchern konnte das aber keinen Strich durch die Rechnung machen und so versammelten sich zahlreiche Neugierige zum „Würdiger Auftakt“, wie es die Running Order ankündigte. Subway to Sally Frontmann Eric Fish war der verheißungsvolle Act, der während seines Auftrittes die Bühne mit Peavy Wagner (Rage), Hansi Kürsch (Blind Guardian), Holly Loose (Letzte Instanz) und Der Schulz (Unzucht, Oomph!) teilte. So war es den ersten Interessierten vor der Bühne möglich, den „The Bard’s Song – In the forest“ bereits weit vor dem eigentlich Headlinerauftritt schon mal mitzuträllern.

Den Promillehaltigen Songs der Hamburger Kneipenterroristen folgt im Anschluss ein griffiges Thrash-Brett von Exhorder, die damit für den ersten Festivaltag das musikalisch härteste aufboten, was es auf die Ohren geben konnte. Tanzwut, Letzte Instanz und Mono Inc. gaben den schwarz beseelten Festivalbesuchern heute eindeutig die Oberhand. Die Spaßfraktion hatte mit Angus MC Six ihr Stelldichein, wem das ein bisschen zu viel Klamauk war, bot das Gelegenheit um die durstige Kehle mit einem kühlen Getränk zu versorgen. Mit 4 Euro für 0,4 L absolut fairer Preis.

Dank der Unfähigkeit der Fluglinie, hatten As I Lay Dying kein Equiment vor Ort und konnten erst 40 Minuten später mit Leihinstrumenten auf die Bretter gehen. So blieben nur knapp 20 Minutenübrig für „Within destruction“, „The sound of truth“, „94 hours“ und „Confined“. Das Publikum war durch diverse Aufwärmspielchen (Wall of Death, Crowdsufing) während der Wartezeit gleich von Beginn an eifrig dabei und feierte die 4 Songs dafür umso ausgelassener.

Blind Guardian sind, egal wo sie auftauchen, immer eine stabile Bank. Daher verwundert es kein bisschen, das es auf dem Festivalgelände gefühlt keinen freien Platz mehr gibt, als die Krefelder auf die Bühne kommen. Wie viele eingefleischte Fans dabei sind, hört man spätestens dann als der große RockHarz Chor vor der Bühne gemeinsam die Klassiker „Nightfall“, „Ashes to ashes“ oder den Schlussakt „Valhalla“ mitsingt. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, mit wie wenig Bühnenaction es die fünf schaffen, das Publikum zufrieden lächelnd in die Nacht zu entlassen.

Wer sich anschließend noch verausgaben möchte bekommt mit dem Surprise Act Knorkator dann aber auch die letzte Salbung des Tages. Der Aufforderung von Sänger Stumpen „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“ werden aber nicht alle anwesenden gefolgt sein und so mancher dürfte am Folgetag die Auswirkungen gespürt haben.

Donnerstag

Der Festival-Donnerstag wartet mit perfektem Open Air Wetter auf. Wer schon früh motiviert ist, kann sich kurz vor High Noon die ersten Live Klänge vor der Dark Stage abholen. Das erste Ausrufezeichen dieses Tages setzen The Dark Side of the Moon, die sich aus Mitgliedern von Ad Infinitum, Amaranthe und Feuerschwanz zusammensetzen. Wer hier Classic Rock erwartet wird etwas enttäuscht sein, dennoch überrascht die Band mit einer guten Performace sowie musikalischer eingängigkeit, was für mich aufgrund der Hauptbands der Künstler eher nicht absehbar war. Wer seinen Deutschrock gern düster und melancholisch mag, der tummelt sich anschließend bei Unzucht. Das sich Fronter Der Schulz als neuer Sänger von Oomph! künftig weitere Sporen verdient, ist, obgleich der gewissen Parallelen, eine logische Konsequenz.
Ebenfalls mit neuen Einflüssen warten Tribulation auf, die an der Gitarre Joseph Tholl verpflichtet haben. Da er deutlich weniger ekstatisch auf der Bühne performt, als sein Vorgänger Jonathan Hultén bringt das etwas Ruhe auf die Bühne und mehr Raum um sich auf die Musik zu

konzentrieren. Tholl verleiht auch den alten Songs mit seinem Spiel einen leichten Hard Rock Vibe, was dem ohnehin schon sehr vielschichtigen Sound der Band eine weitere Dimension hinzufügt.

Mit Fiddler’s Green sowie Mr. Hurley und die Pulveraffen geht es anschließend sehr folkig zu, bevor Die Apokalyptischen Reiter die Brücke wieder zum Metal schlagen. Im Hause der Weimarer herrschen einige Unruhen, mit sofortiger Wirkung quittierte Gitarrist Ady seinen Dienst und Schlagzeuger Sir-G wird auch nur noch wenige Shows an Board bleiben. Neu Mitglied Titus Maximus hat von Beginn an sichtlich Spaß und zeigt, das Fans die Reitermania noch lange nicht abschreiben können. …ride on!

Hämatom halten das Spaß-Level danach weiterhin hoch. Es wird getobt und gecrowdsurft, was das Zeug hält. Da kommt das Programm im Anschluss mit Paradise Lost einer Vollbremsung gleich. Mit einer kleinen Verzögerung bieten die Briten auf der Bühne vor allem Songs aus der Death Metal Phase, die poppigeren Ausflüge lässt man außen vor, wobei im RHZ-Publikum durchaus auch dafür reichlich Abnehmer gewesen wären. Auch die Sonnenuntergangsstimmung mag dazu irgendwie nicht so recht passen, Spaß macht es aber trotzdem.

Für mich immer wieder erstaunlich ist, der große Zulauf bei für mich eher unter Spaß-Kapellen verbuchten Bands wie Feuerschwanz. Diese werden sich den Co-Headliner Slot des Tages sicher verdient haben und so überrascht es kaum, dass das Publikum den Franken förmlich aus der Hand frisst. Musikalisch gut gemacht überzeugt es aber nicht so sehr wie The Dark Side of the Moon am Vormittag, obwohl einige Parallelen auszumachen sind.

Das Warten auf In Flames soll sich dafür heute mal richtig lohnen. Bereits das aktuelle Album „Forgone“ ließ schon die Hoffnung auf bessere Zeiten aufkeimen und die Schweden haben sich zumindest der Alt-Metaller Fraktion wieder etwas mehr zugewandt. Wer in den letzten Jahren dem ein oder anderen uninspirierten Auftritt der Band beiwohnte, wird heute mal kurzerhand förmlich an die Wand gespielt. Anders Fridén ist gut aufgelegt. Mit „Cloud conneted“ und „Only for the weak“ trifft die Band den Nerv des Abends und einige ganz alt eingesessenen freuen sich zuvor mit „Behind space“ über einen Song vom Debüt. Nach „Take this live“ ist dann schicht für heute und es bleibt die Hoffnung, das dieser Auftritt nicht nur ein Strohfeuer war.

Fans des Traditionellen Thrash-Metals mussten heute viel Geduld beweisen, als letzte Band des Tages stiegen Onslaught auf die Bretter, der Partymob hat sich um diese Zeit im wahrsten Sinne des Wortes schon längst aus dem Staub gemacht und so verblieben nur wenige vor der Bühne die den Briten Tribut zollten.