Fury In The Slaughterhouse, Autokonzert, 14. Mai 2020, Schützenplatz Hannover

Fury In The Slaughterhouse, Autokonzert, 14. Mai 2020, Schützenplatz Hannover

📁 Allgemein 🕔15.Mai 2020
Fury In The Slaughterhouse, Autokonzert, 14. Mai 2020, Schützenplatz Hannover

In Zeiten von Corona spielen Konzerte leider eine untergeordnete Rolle, haben Künstler keine Möglichkeit ein Einkommen zu erarbeiten. Bis zum 31. August dürfen bekannterweise keine Großveranstaltungen stattfinden. Jedenfalls nicht im herkömmlichen Format. So haben die Agenturen Hannover Concerts und event it AG neue Wege beschritten. In Windeseile wurde auf dem Schützenplatz eine riesige Open Air Bühne hochgezogen, mit zwei extragroßen LED-Wänden. Die Besucher können wie in einem Autokino (die gerade auch eine Renaissance erfahren), unter Berücksichtigung klarer Hygiene-Vorschriften, die Konzerte im Auto verfolgen. Die Musik bekommen die Gäste jeweils über eine UKW-Frequenz ins Auto geliefert. Und viele dieser Konzerte waren binnen Minuten ausverkauft. So auch das FITS-Konzert, so dass sogar ein Zusatztermin hermusste.

Für die Band war es das erste Konzert dieser Art und sie wussten nicht recht wie es sich anfühlen würde vor Autos zu spielen. Sänger Kai Wingenfelder verglich es mit dem Werkshof eines Autoherstellers, nur eben mit Reaktionen wie Hupen (eigentlich verboten wegen eines anliegenden Krankenhauses), Lichthupen oder Arme aus den nur einen Spalt geöffneten Seitenfenstern halten.

Je länger das Konzert dauerte umso mehr gewöhnte man sich an die Tatsache, dass man entspannt die Musik genießen konnte. Der Sound war superb, offenbarte allerdings auch schonungslos Fehler. Aber hey, das ist live und gehört dazu. Auch die Band gewöhnte sich immer mehr an die Atmosphäre. Sänger Kai Wingenfelder suchte auch den (natürlich nicht direkten) Kontakt mit dem Publikum und ging durch die Autoreihen. Als er bei einem Song nicht singen musste, bot er seine Dienste zum Scheibenputzen an. Bei manchen Fahrzeugen war das auch nötig.

 

Knapp 105 Minuten spielte die Band inklusive 2 Zugabenteile. Alle Hits wie „Radio Orchid“, „Time To Wonder“, „Trapped Today, Trapped Tomorrow“ und „Won’t Forget These Days“ waren selbstverständlich vertreten. Aber auch ein paar Songs, wie „Drug Addicted in the Jailhouse“ die sie in der Vergangenheit wenig live gespielt haben, wurden eingestreut. Die Furys hatten sichtbar Spaß an der Sache und unterhielten die Fans nicht nur perfekt eingespielt, sondern auch mit launigen Sprüchen.

Dass die Band auf der Bühne miteinander agiert, das Publikum miteinbezieht, kennt man. Doch dass die Bande es sogar hinbekommt ohne die Rückmeldung eines Publikums einen genialen Gig hinzulegen, spricht für die lange Erfahrung, aber gleichzeitig auch für den Spaß, den die Furys immer noch haben.

So präsentierte sich Gero als beinharter Rocker, zog Christof über Hupen her und ließ sich Kai über die derzeitige Situation aus. Rainer Schumann, ansonsten eher verhalten im Hintergrund, ließ es sich bei einem Song im Zugabenblock nicht nehmen seiner Freundin einen kleinen Besuch im Auto abzustatten, was dazu führte, dass die restlichen Furys den begonnenen Song abbrechen mussten. Dass dann der Spott natürlich auf Rainers Seite war, ist logisch. Die nächsten Biere gehen auf ihn. Wahlweise wurde auch Starthilfe durch Rainer für liegengebliebene Fahrzeuge nach dem Konzert angeboten. Genau diese Momente sind es, die die Band so sympathisch machen.

Erstaunliches leistete dann auch die örtliche Security, die Abreiseverkehr vom Schützenplatz, bei 1000 Fahrzeugen sicher gar nicht so einfach, vorbildlich meisterten, dabei aber auch auf das Verständnis der Besucher setzen konnten. So endete ein toller Abend mit einer Erfahrung, die man mitnimmt und vielleicht ja auch in der Zukunft eine neue Variante des Konzertbesuchs darstellen önnte.

Fazit: Auch wenn man anfangs vielleicht wenig skeptisch gegenüber dieser Art von Konzerten ist, merkt man doch schnell, dass es funktionieren kann. Und eine Band, die mit Unterbrechungen 34 Jahre zusammenspielt, tut ihr übriges. Schade, dass das Gelände in Zukunft, wenn die Krise überstanden ist, nicht weiterhin für Open Air Konzerte genutzt werden kann, da sich ein Krankenhaus in der Nähe befindet. Das Areal hat Potenzial.

Diesen Artikel in einem Sozialen Netzwerk teilen