VERHEERER – „Maltrér“

VERHEERER – „Maltrér“

📁 Reviews, Tipp der Redaktion 🕔07.Februar 2018
VERHEERER – „Maltrér“

VERHEERER – „Maltrér“

Label: Vendetta Records

Laufzeit: 48:38 min

VÖ: 19.01.2018

Genre: Black Metal voller Epik, Emotionen und tiefster Dunkelheit

 

Es geht los mit einem Intro, und es möge dann keiner mehr behaupten, er hätte es nicht gewusst. Mit wenigen Geräuschen und Gitarrentönen erschaffen VERHEERER mit der ersten Sekunde ihrer Präsenz eine Atmosphäre seelennackter Beklemmung und dämonischen Schauders. Und das Schöne: Das wird bis zum letzten grausigen Ton nicht aufhören!

In sieben Stücken nehmen uns VERHEERER nach ihrer 2015 veröffentlichten EP „Archar“ in ihrem Langspieldebüt „Maltrér“ mit auf eine Reise durch ihr Universum. Dort möchte man nicht sein. Denn dort regiert das Böse. Schwarz, trostlos, lebensfeindlich, tot, Flammen, grausam, verführerisch, Dämon, archaisch, gehäutet, versklavt, geborsten, entweiht.

Diese Welt erschaffen VERHEERER mit einem Black Metal, der ebenso traditionell wie innovativ ist, weil er all die bekannten Stilmittel mit ungewohnten und spannenden Details zu einem lebensfeindlichen Monster verschmilzt. Das alles kommt daher in einem rohen und naturbelassenen Sound, der die sinsistre und mitleidlose Stimmung beängstigend intuitiv einfängt und auf den Hörer überträgt. Die Gitarren sägen durchdringend und kraftvoll, das Schlagzeug wirkt trocken und basisch, zudem agiert der Bass nicht nur als bloßer Statist, sondern bildet einen echten Eckpfeiler des ebenso dynamischen wie transparenten Sounds.

Zunächst finden sich die gewohnten Black Metal Riffs in ihrer flirrenden und repetitiven Konsistenz, die sich rasend durch die Lieder schnellen. Da erhebt sich aber auch ergeifend melancholisches Klagen der Leadgitarre, die ihre berückenden Melodien wie Sirenen in unsere Ohren hineinschmeichelt, um uns betörend hinabzuziehen in das, was da im Unten, im Tiefschwarz auf uns verzehrend lauert („Kultyst“, „Heimgang“, „Maltrér“). Das wirkt auch wegen der Stimme so glaubhaft und authentisch. Diese gibt sich in ihrem wütenden heiser-harschen Keifen stets aggressiv, unheilvoll und todbringend. Das Schlagzeug ist nicht nur genretypisch schnell und rumpelig. Neben gewalttätigen Blastbeats gibt es immer wieder Breaks, die punktgenau, fokussiert und abwechslungsreich die Lieder bereichern und zusätzliche Spannungsbögen aufbauen. So wird „Vertigo“ bestimmt von einem ultraschweren Midtempo, das sich gerade wegen der wütenden Ausbrüche zum Beginn um so massiver in uns ausbreitet. Und dann taucht auf einmal dieser unheilvolle Trommelwirbel auf, und ich stehe plötzlich direkt neben dem Schafott, auf dem schon der Henker auf seine Arbeit wartet. Da werden diese tonnenschweren Riffs übereinander gestapelt wie die geköpften Toten zu einem großen fleischernen Leichenberg und so lange als Mantra in unsere angsterfüllten Schädel geprügelt, bis sich VERHEERER dort festgekrallt haben.  Oder hört Euch diese ineinander verschobenen, völlig verqueren Rhythmiken im letzten Drittel von „Maltrér“ an, dieses scheinbare Auseinanderdriften von Gitarre und Takt, das ist so ungewöhnlich wie ungemein packend. Und zum Schluss erhebt sich „Heimgang“ aus langsam kreißender morbider Verheißung zu einem Epos aus Hoffnungslosigkeit und Verlust. Und dann das Ende. Ein einzelner Donnerhall. Doch es bleibt die Beklemmmung.

Fazit: VERHEERER beweisen mit „Maltrér“ mehr als eindrucksvoll, wie hochklassiger Black Metal gemacht wird. Die Reise in ihren Kosmos voller Trostlosigkeit, Nihilismus, Schmerz, Einsamkeit und Verlust ist packend und emotional. Eine absolute Empfehlung! Es gibt Live-Termine im Frühjahr, ich kann Euch nur raten: Nutzt die Chance!

Tracklist

1. Oration (2:32)
2. Kultyst (8:47)
3. Vertigo (6:18)
4. Maltrér (7:49)
5. Anima Sola (6:58)
6. Nachtfall (7:07)
7. Heimgang (9:07)

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