TURBOWOLF – „The Free Life“

TURBOWOLF – „The Free Life“

📁 Reviews 🕔04.März 2018
TURBOWOLF – „The Free Life“

TURBOWOLF – „The Free Life“

Label: SO Recordings / Rough Trade

Laufzeit: 41:53 min

VÖ: 09.03.2018

Genre: Space-Rock-Indie-Punk-Alternative-Psychedelic-Meisterwerk

Diese Stimme. Egal, was man über TURBOWOLF und ihr neues Album „The Free Life“ sagen, schreiben, denken, fühlen mag, es läuft immer wieder auf diese zwei Worte hinaus: Diese Stimme.

Aber langsam. So schwer es ist, die Musik von TURBOWOLF zu kategorisieren, so einfach kann man die Zutaten bestimmen. Da ist zunächst ein Sound, der die Musik perfekt einfängt. Da werden der Gitarre massenhaft einzigartige Riffs und Töne in einzigartigen Sounds entlockt, dass einem die Ohren glühen. All diese angezerrten Waberorgien und fiesen Verzerrungen verpassen den Liedern ein wildes und ungezügeltes Tempertament eines wahnsinnigen Sprunges aus dem 10. Stock in den von Tausend Hippies johlend umlagerten Hotelpool. Das alles wird eingebettet in einen wabernden Bass, allerlei Synthieflächen und elektronische Effekte aus dem weiten Space-Universum und ein jederzeit geschmackvoll den Charakter der Lieder prägendes Schlagzeug.

All diese Ingredienzien ergeben Musik, die begeistert. Ausnahmslos. Mit Qualität, Esprit, Einfallsreichtum, Enthusiasmus, Extravaganz, Spleenigkeit, und Spaß, Spaß, Spaß. Die Lieder sind vielseitig, abwechslungsreich, ungewöhnlich, treibend, fokussiert, luftig, großartig. Da gibt es verdammt wilde Rocker („No No No“, „Very Bad“), Rock’n’Roll („Blackhole“), Seelenschmeichler („Half Secret“), dynamische Downtemporocker („Up & Atom“). Immer wieder gelingen durch illustre Gäste überraschende Impulse, wobei der düster-rappende Joe Talbot in „Capital X“ und die wunderbare Chantal Brown in „Very Bad“ herausragen. Nicht jeder Refrain kann in seiner mit dem Hit-Holzhammer um sich schlagenden banalen Penetranz zünden („Domino“, „Last Three Clues“), aber wenn beide Stücke dann wiederum mit solch aberwitzigen und phantastischen solierenden Gitarren und Science-Fiction-Rocksequenzen aufwarten, kann man das locker als Jammern auf höchstem Niveau abtun. Und dann kommt da dieses Ende: Da gibt es zunächst den Über-Hit „The Free Life“, der mit einem schweren Riff wie aus einem Horroschocker beginnt, um sich dann in einer wahnwitzigen Tempoverschärfung – die ebenso passend nochmals in „Very Bad“ zu Ehren kommt – zu einem schnellen Riffrocker zu steigern und schließlich in einem mitreißenden Refrain zu gipfeln. Und dann folgt als Finale „Concluder“, eine Ballade, die so weitab aller Klischees agiert, wie sie sich in unsere Herzen und Seelen nistet. Allein für das, was die Gitarre da am Anfang verzerrt fidelt und später von einer echten Fidel aufgegriffen wird, würden manche Gitarristen schlimme Dinge tun.

Ach ja. Diese Stimme. Chris Georgiadis macht TURBOWOLF aus, aber er ist in seiner hohen Stimmlage ebenso Garant wie Zerstörer: Man kann ihn nur lieben oder hassen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass nicht die überragende musikalische Qualität, die unbändige Spielfreude und die sympathische Positivität über „The Free Life“ entscheiden, sondern zuerst der Eindruck, den die Hörer*innen von Chris haben werden. Allen Fans von Jack White, Wolfmother, Greenleaf, The Raconteurs, Royal Blood, Rival Sons und ähnlichen Combos dürfte das Album jedoch ein glückseliges Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Fazit: TURBOWOLF haben mit „The Free Life“ ihren eigenen Kosmos noch weiter in die unendlichen Weiten von Space Rock, Punk, Alternative, Psychedelic und noch viel mehr ausgeweitet. Die Band glänzt mit Hits, Hits und noch mehr Hits, die sie mit unbändiger Spielfreude und grenzenlosem Optmismus darbietet. Ein Meisterwerk!

P.S. Ich schreibe ja nie was über Plattencover – aber das hier finde ich abgrundtief hässlich.

Tracklist

1. No No No (4:11)
2. Capital X (3:05)
3. Cheap Magic (2:56)
4. Very Bad (4:03)
5. Halfsecret (2:54)
6. Domino (3:10)
7. Last Three Clues (4:29)
8. Up & Atom (4:52)
9. Blackhole (3:23)
10. The Free Life (5:51)
11. Concluder (2:54)

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