TARASQUE – „Innen Aussen“ (EP)

TARASQUE – „Innen Aussen“ (EP)

📁 Reviews 🕔12.April 2018
TARASQUE – „Innen Aussen“ (EP)

TARASQUE – „innen aussen“ (EP)

Label: Dedication Records / Wooaaargh

Laufzeit: 27:04 min

VÖ: 13.04.2018

Genre: Sludge Hardcore Doom Metal voller Schwere und Gewalt

TARASQUE sind ein deutsches Powertrio, das mit „innen aussen“ ein unfassbar brachiales Debüt vorlegt. Und was macht sie aus? Na ja, deutsche Texte, und dann Schwere, Gebirge, meterdicke Eisenträger, regengetränkte Kohlenfelder, alles zermalmende Gerölllawinen, zerberstende Eisberge, lebenverschlingende Lavaströme, kollidierende Felskometen, erdausweidende Abraumbagger.

Es ist eine Fügung, dass hier nur drei Individuen agieren. Das sorgt für Reduktion, entschlackt die Musik und führt sie zurück auf klare Strukturen, die sich als wenige, aber armdicke Muskelstränge durch die Lieder ziehen. Ein Schlagzeug, das tonnenschwere Rhythmen gießt, hämmert, schmiedet, unbarmherzig schiebt, drückt, pulsiert. Ein Bass, der nicht untergeht oder hinter aufgeblasenen Gitarren kuschen muss, sondern breitbeinig, hart, tief, wabernd, drohend und feist grinsend baumdicke Linien aufstapelt, die die Lieder zusammenhalten wie diese dicken Stahltrosse die Golden Gate Bridge (Hört Euch nur mal „Karoshi“ an!). Und dann spielt die Gitarre immer wieder diese fetten Riffs, die alles verkörpern, was harte Musik im Grenzgebiet zwischen Hardcore, Doom, Sludge, Death und Crust Metal ausmacht: Stärke, Gewalt, Selbstbewusstsein, Massivität, Brutalität, Energie, Schwarte, Schweiß, Furor. Darüber wütet in tiefster hoffnungsloser Eindringlichkeit ein deutscher Gesang, die sich durch diesen kompakten Tonberg hindurch wütet, schreit, windet, gräbt, schindert, schabt. Dazu ein Sound, der Moder, Nebel, dunkle Straßen, rohes Fleisch und das Grollen erwachender Titanen zu einem alles verschlingenden Moor vereint, aus dem träge blubbernd der Geruch verwesender Leichen vor langer Zeit hinterrücks erschlagener armer Seelen aufsteigt und uns umhüllt.

Die Musik ist schwer, massiv und düster. Alles atmet Tod, Verderben, Hoffnungslosigkeit, Verlust, Einsamkeit, Trauer und Wut. In seiner Stimmung erinnert mich das an Fäulnis, Deinonychus, aber auch an die großartigen Iron Monkey und Black Tusk. Die Lieder erheben sich aus den brachialen Riffs, stöhnen auf, werfen sich schwer verwundet im Fieberwahn auf verschmutzten und blutverklebten Laken hin und her, schreien auf, delirieren – und sterben. Das ist pure, verschlingende Dynamik, hier paaren sich Doom mit Sludge und Blues, so wunderschön grimmig, stämmig, bullig, kraftvoll und mächtig, dass man es lieben muss. So wie wir alle King Kong lieben, oder Godzilla. Und dann erheben sich aus diesem gewaltigen Moder ab und an zaghafte Melodien und zerbrechliche Soli („Alles Nichts“, „Trümmerfeld“, Staub Und Zeit“), langsam, zögernd, sich verzweifelt in Bass und Schlagzeug festklammernd, um dann doch wieder erstickend zu implodieren. Doch diese aufflackernde Schönheit bleibt stets fragil und trügerisch, und hinter ihr fühlt man stets die Bedrohlichkeit schimmern.

Fazit: TARASQUE erschaffen mit „innen aussen“ ein schweres, hartes und gewalttätiges Stück Musik, dass mit seiner brustumspannenden Massivität packt, pfercht, quetscht, verschlingt. Das alles ist intensiv, fordernd, wunderschön, abstoßend, umhüllend, erfüllend. Das ist Musik, Kunst, Leben, Kosmos. Ich bin begeistert. Und Ihr werdet es auch sein. Versprochen!

Tracklist

1. Pluveophil (2:47)
2. Trümmerfeld (5:22)
3. Alles Nichts (5:51)
4. Karoshi (6:58)
5. Staub Und Zeit (6:06)

Diesen Artikel in einem Sozialen Netzwerk teilen